JASS Pressesprecher*

Ausgangslage des Pilotprojekts
In den Medien wird bevorzugt über ausserordentliche Geschehnisse berichtet. Dabei wird über Angehörige von Minderheiten überdurchschnittlich viel – im Vergleich zu Angehörigen der multikulturellen Mehrheitsgesellschaft – in den Medien berichtet. Häufig sprechen sogenannte Experten*innen über Betroffene und die Angehörigen von Minderheiten kommen selbst wenig zu Wort. Es wird über sie, statt mit ihnen gesprochen.

Wenn Angehörige von Minderheiten zu Wort kommen, sprechen sie subjektiv für eine ganze Gruppe von Menschen. Von Medien und Medienschaffenden werden, aufgrund des Mangels an Alternativen, bevorzugt immer wieder dieselben Angehörigen von Minderheiten zu grossen Themen wie „Flucht“ oder „Islam“ eingeladen. Dies birgt die Gefahr einer einseitigen, subjektiven Wahrnehmung von grossen, gesellschaftlich heftig diskutierten Themen. Dabei werden ganze Gruppen von Menschen pauschalisiert und stigmatisiert (vgl. Geflüchtete Menschen, muslimische Menschen und zugewanderte Menschen), da nur ein geringer, ausserordentlicher Teil aus der Realität gezeigt wird. Dieser Ausschnitt muss dazu noch attraktiv genug gestaltet werden, sodass er die Aufmerksamkeit der Konsumenten*innen des Mediums erregt.

Dabei nehmen Angehörige von Minderheiten als Mitglieder unserer Zivilgesellschaft im Zusammenhang mit Medienberichterstattung drei verschiedene Rollen ein:

..als (potentielle) Gruppenzugehörige*r, über welche Bericht erstattet wird.
..als (potentielle) Interviewpartner*in, wenn Angehörige von Minderheiten in die Berichterstattung miteinbezogen werden.
..als Zuschauer*in, Leser*in oder Zuhörer*in (Nachfolgend Zuschauer*in genannt), welche sich informieren möchte.

Ziele des Projekts
Mit dem Pilotprojekt JASS Pressesprecher*innen verfolgen wir Ziele auf verschiedenen Ebenen. Ein Überblick über die Ziele:

Ebene Angehörige von Minderheiten
Betroffene Menschen sind zu ihren Themen, wie bspw. Flucht, Islam und Migration für Medienschaffende einfacher zu erreichen.
Angehörige von Minderheiten treten selbstbewusst und kompetent auf.
Betroffene Menschen sprechen für sich selbst (Selbst- statt Fremddefinition).
Alternative Narrative werden durch Betroffene selbst natürlich produziert.

Ebene Medien und Medienschaffende
Förderung der Sensibilisierung bei Medienschaffenden im Umgang mit Angehörigen von Minderheiten (über welche in den Medien häufig berichtet wird).
Betroffene Menschen sind für Medienschaffende einfacher zu erreichen.

Gesellschaftliche Ebene
Vielfalt in unserer Gesellschaft wird sichtbar.
Die Vielfalt in unserer Gesellschaft wird in den Medien realistisch abgebildet.
Vielfalt innerhalb von stigmatisierten Betroffenengruppen wird öffentlich sichtbar.

Massnahmen
Das Pilotprojekt von JASS ist der Beginn einer Community von Angehörigen von Minderheiten, welche sich gezielt, selbstbewusst und aktiv in die mediale Berichterstattung in der Öffentlichkeit einmischt. Sie startet mit Angehörigen von Minderheiten aus dem Kanton Zürich. Sie wird durch JASS und Medienprofis betreut. Die Angehörigen der Community werden im Umgang mit Medien und Medienschaffenden geschult. Dabei werden Auftrittskompetenzen gefördert und das Selbstbewusstsein gestärkt. Der Community kann jede*r, die/der einer Minderheit angehört, beitreten und an den Workshops zu Auftrittskompetenzen teilnehmen. Die Workshops finden regelmässig an einem gut erreichbaren Ort im Raum Zürich statt.

Das Projekt wird unterstützt von der Fachstelle Integration Kanton Zürich und der Fachstelle für Rassismusbekämpfung